In Zeiten von Finanzkrisen, Wirtschaftseinbrüchen und Rekordneuverschuldungen, dürfte das Interesse an Horoskopen eine Renaissance erleben.
Der Gedanke ist durchaus sehr reizvoll, dass ein paar Zeilen in einem Magazin verraten könnten, was das neue Jahr alles bereit hält. Egal ob man Antworten auf Fragen in der Liebe, Familie, Finanzen oder den Job sucht. Die Horoskope für die unterschiedlichen Sternzeichen finden stets die passenden Worte, um das heraus zu lesen, was einem gefällt. Leider sieht die Realität anders aus. Die Zukunft wird sich nicht von den Sternen beeinflussen lassen, sondern ihren Lauf nehmen. Ich lese schon lange keine Horoskope mehr. Gewiss gab es Zeiten, in denen auch ich ein Jahreshoroskop mit Begeisterung regelrecht verschlungen habe. Das liegt allerdings schon einige Jahre zurück. Als junger Teenager waren die Prioritäten nun mal etwas anders als wie man sie jetzt als Erwachsener hat. Schließlich suche ich auch keine Antworten mehr auf Fragen zur großen Liebe.
Für viele allerdings ist das Jahreshoroskop ein Wegweiser durch die kommenden 365 Tage. Ich kann mir das Schmunzeln nicht wirklich verkneifen, dass es tatsächlich Menschen im Zeitalter von Internet und Handy noch immer an Dinge von vor über hunderten von Jahren glauben können. Dabei ist es doch stets das Gleiche, was Jahr für Jahr in den Zeitschriften unsres Landes gedruckt wird. Ich bin überzeugt, dass in zwei von drei Jahreshoroskopen geschrieben steht, dass alles besser wird und es ab spätestens Jahresmitte die große Kehrtwende kommt. Die Frage ist bloß, in welchem Bereich wird die große Veränderung eintreten. Hier ist der Punkt, an dem ich aufgehört habe an solchen Hokus Pokus zu glauben. Denn man kann zweifelsohne alles hinein interpretieren, was auf die aktuelle Lebenslage zutrifft. So wird ein im Sternzeichen geborener Widder mit ziemlicher Sicherheit an Ruhm und Erfolg im Berufsleben denken und ein im Zeichen des Krebses Geborener wird an die ewige Liebe denken.
Doch was ist, wenn man den großen Wandel einmal ins Negative interpretiert? Wer möchte denn schon ein ganzes Jahr lang mit dem Gedanken leben, dass etwas schreckliches und unvorhersehbares passieren könnte? Also mir wäre diese Vorstellung ein Graus. Für mich ist es viel schöner, dass neue Jahr als eine neue Herausforderung zu sehen und mich Tag für Tag in die Fluten des Alltags zu stürzen und mich immer wieder aufs neue zu beweisen. Für mich, meine Familie und unser ganzes gemeinsames Leben. Die Sterne sind für mich am Nachthimmel eines der faszinierendsten Naturerscheinungen und regen in so manch lauer Sommernacht zum Träumen an. Zu mehr sollten die Sterne auch nicht da sein. Die Tatsache, dass der Zeitpunkt der Geburt mit den Stand der Sterne zu tun hat und das der Charakter danach geprägt wird, ist in meinen Augen Verblendung. Man will nur die Menschheit daran hindern selbstständig zu denken und zu handeln. So verlassen sich die Horoskopfreunde allzu gern auf das Geschriebene und stehen bei Versagen der eigenen Leistung ihre Fehler nicht ein. Denn, es stand ja so in den Sternen!
Manch ein mächtiger Bankmanager lehnt sich vielleicht auch lachend in seinen großen Ledersessel, schaut auf das Jahreshoroskop und denkt sich, das wird schon wieder. Vielleicht sollten die einen oder anderen öfter ihren eigenen Geist benutzen bevor Entscheidungen getroffen werden, die eine gewaltige Konsequenz mit sich tragen.
Jahreshoroskope sind in meinen Augen gut genug, um einmal mehr zu schmunzeln und um dann wieder die eigenen Ideen, Vorstellungen und Entscheidungen frei und mit besten Wissen und Gewissen zu fällen. Denn nichts ist schöner im Leben, als selbstständig und aus eigener Kraft etwas zu erreichen, ohne sich von solch einem Hokus Pokus blenden zu lassen. In diesem Sinne, lesen, lächeln und dann wieder den eigenen Geist aktivieren und voll Zuversicht in die Zukunft blicken!